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Interview mit dem Graffiti Sprayer Oliver Kray

Wie bist du zum sprayen gekommen und wann hast du damit angefangen?
Interessiert habe ich mich schon in der Grundschule für Graffitis, ich kritzelte immer irgendwelche Wörter auf das Papier wie "crash", "Bad" und Namen von Mädchen, die ich gut fand. Die ersten Sprühversuche machte ich mit dem Haarspray meiner Mutter auf dem Spiegel unseres Bades. Irgendwann kaufte ich mir dann von meinem Taschengeld die ersten Sprühdosen und sprühte auf den Spielplätzen hinter den Büschen...

 

Quelle: Chances - Februar 2005

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Wo sind die außergewöhnlichsten Graffitis von dir und welche Motive haben sie?
Dabei sollte man differenzieren, zwischen legal und illegal.
Die legalen (Graffitis) Werke von mir findet man auf Fassaden in Berlin und anderen Städten (Paderborn); auf Gläsern; Vasen und Aschenbecher von Leonardo; auf Tapeten von der Firma Rasch und auf Textilien meines Kindermodelabels "colors of berlin". Die Motive sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von abstrakt über realistisch, plakativ bis hin zu suerealistisch und graffitiartig. Meist sind meine Motive sehr farbenfroh und prägnant. Meine alten schönen Graffitis kann man leider nicht mehr sehen, da die Züge regelmäßig gesäubert wurden. Die Motive waren ständig unterschiedlich...zu Weihnachten konnte es auch schon mal vorkommen, dass es ein Weihnachtsmann mit Rentieren in den Bahnhof einfuhr.portraitfoto, graffiti sprayer oliver kray vor seinem kunstwerk

Woher holst du dir Ideen und Anregungen für deine Motive?
Ideen und Anregungen bin ich den ganzen Tag ausgesetzt. Ich werde inspiriert von so gut wie allem, was ich lese, denke und sehe. Vor allem inspirieren mich fremde Länder, alle möglich denkbaren Medien, Mode, Architektur, Kunst und Menschen.

Hast oder hattest du ein Vorbild, an dem du dich orientiert hast bzw. orientierst?
Vorbilder hatte ich schon immer sehr viele, damals waren es Graffitisprayer aus New York und die Älteren in Deutschland. Heute sind es bekannte Designer wie John Galliano, Phillip Starck, Tom Ford, Ulf Moritz und etliche mehr. Bei meinen Vorbildern geht es nicht immer unbedingt darum, was sie machen, sondern wo sie hin gekommen sind, mit dem was sie tun. Ich vergleiche meine Vorbilder immer mit mir und orientiere mich dann nach meinen eigenen Wertvorstellungen.

Du hast dich vom illegalen Sprayer in Berlin zu einem Graffiti- und Design-Künstler gewandelt, der an vielen sozialen Projekten mitwirkt. Wie hast du persönlich diese Wandlung erfahren? Wie wichtig war dabei die Zusammenarbeit mit dem Malermeister Dietmar Ahle, ist er eine Art Mentor gewesen?
Man darf sich das nicht so vorstellen wie bei Franz Kafka. Ich habe eigentlich immer schon ein Doppelleben geführt, zwischen Graffiti und Realität. In der Nacht meine Züge und am Tag meine Schule. Das war nicht immer so einfach, doch meine Mutter hat mir sehr dabei geholfen und mir schon früh klar gemacht, das es bestimmte Dinge im Leben gibt, die man einfach tun muß. Sehr früh erkannte sie mein Talent und förderte mich, in dem sie mir Leinwände kaufte und mir Graffiti Aufträge besorgte, womit ich Geld verdienen konnte.
Thanx mom

So, z.B kam es auch, dass ich mit dreizehn schon für eine Jugendserie im ZDF Requisiten bemalen durfte. Solche Projekte gaben mir natürlich immer gesellschaftliche Akzeptanz gegeben, die mich in meinem Verhalten positiv verstärkt haben. Aber trotz allem habe ich mich nicht von meinen illegalen Aktivitäten abhalten lassen. Malermeister Ahle habe ich mit achtzehn Jahren kennen gelernt. Er hatte mich und zwei andere Sprühern beauftragt eine Fassade für ihn zu bemalen, es wurde ein voller Erfolg für beide Seiten. Er hatte ein polarisierendes Thema für sich gewonnen, positive wie auch negative Presse erhalten und wir Sprüher, bekamen Folgeaufträge.
Schnell erkannten wir die Chance der Marktlücke und nahmen Aufträge von Unternehmern, Privatpersonen und sozialen Einrichtungen an. Ja, man kann sagen, das er ein Mentor für mich war und teilweise auch heute noch einer ist.

Für viele Sprayer bist du sicherlich ein Idol. Welchen Rat würdest du anderen aus der Szene geben, die wahrscheinlich meist auf illegalem Weg ihre Leidenschaft ausüben?
Im Grunde genommen weiß jeder Mensch was gut und schlecht für einen ist. Es geht ja den Sprayern hauptsächlich um Anerkennung, Respekt und Kreativität und nicht unbedingt um Nervenkitzel. Ein bisschen Aktion muss schon sein, aber das Leben ist doch eigentlich schon Aktion genug, da muss man nicht immer noch die Polizei im Rücken haben.
Es gibt viele andere Dinge, die man aus einem Talent machen kann.

Welchen schulischen Bildungsweg bist du gegangen? Wie wichtig ist ein Schulabschluss für einen Künstler?
Ich habe als erstes mein Fachabitur für Sozialwesen absolviert, da ich Streetworker werden wollte. Wobei ich schnell erkannt habe, dass ich eher ein praktischer Typ bin, der Dinge produzieren muß, die man Anfassen kann und sieht. Dann entschloss ich mich für die Ausbildung als Modedesigner im Berliner Lette-Verein. Ich war kaum auf der Schule und entwarf meine erste Kollektion für Frauen und Männer, dabei hatte ich die Idee, die Hausfassade, die ich für Ahle bemalt hatte ab zu fotografieren und auf alle möglichen Stoffe zu drucken, das fand auch Ahle gut und Unterstützte mich finanziell dabei.

Somit konnte ich mir nebenbei eine Näherin leisten und die Kollektion um ein vielfaches erweitern. Nach ca. dreizehn Monaten entstand daraus eine riesige Modenschau im Heinz- Nixdorf-Museum mit anschließender Kunstausstellung und um die Tausend Zuschauern. Daraufhin hatte ich etliche Anfragen von Firmen, mit ihnen zu arbeiten und entschloss mich meine Ausbildung zu beenden. Deswegen kann ich nicht genau sagen, ob man einen Schulabschluss braucht oder nicht. Manche brauchen ihn und manche halt nicht, wobei ich es auf jeden Fall hilfreich ist.

Hast du vielleicht auch einmal überlegt, ob du ein Studium im künstlerischen Bereich aufnehmen solltest? Wenn ja, warum hast du es nicht getan?
Natürlich habe ich auch an das Kunststudium gedacht, aber als ich irgendwann mal in der Uni war, um mich mit Studenten darüber zu unterhalten, was die Vorteile dessen wären, konnte mich keiner davon richtig überzeugen. Im Jahr 2002 hast du einen Lehrauftrag an der FH Westfalen erhalten. Wie war es für dich vor gleichaltrigen Studenten zu lehren und woraus hast du deine Kenntnisse gezogen? Woher wißt ihr das? Das war eine nette Erfahrung für mich, mal zu sehen, wie es ist auf der anderen Seite zu stehen, im schulischen Sinne. Denn alle Studenten mußten Hausaufgaben machen und eine Prüfung ablegen, die ich Abnehmen mußte. Jeder hat seinen Schein bekommen. Aber im Grunde war es nichts außergewöhnliches für mich, da ich schon vorher oft als Referent agiert habe.

An welchem Projekt arbeitest du zur Zeit?
Zur Zeit beschäftige ich mich mit der Vermarktung meines Kinderlabels "colors of berlin", das im März auf den Markt kommt.
Im textilen Bereich habe ich schon meinen Partner gefunden, der meine Kollektion in Europa verkauft (www.puttmann.de). Außerdem wird es im Mai die passende Tapetenkollektion dazu geben mit der Firma Rasch. Des weiteren Entwerfe ich eine neue Modekollektion, die ich im August präsentieren werde. Und Fassaden male ich auch noch weiterhin, das ist immer noch eine große Leidenschaft von mir.

Du bist noch sehr jung, aber konntest mit deiner Arbeit schon viele Erfolge erzielen. Wo siehst du deine Zukunft?
Als erstes möchte ich mein Kinderlabel richtig aufbauen und die Produkte stetig erweitern. Außerdem möchte ich irgendwann eigenes Modelabel für Erwachsene führen und weiterhin einfach nur viele meiner Designs unter die Leute bringen.

Quelle: Chances - Februar 2005

   
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